Geburtstag morgen
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geschrieben am 30. Mai
Morgen würden wir deinen 22. Geburtstag feiern.
Wie schon letztes Jahr schreibe ich diesen Beitrag einen Tag vorher. Ich weiß nicht, wie ich morgen in der Stimmung sein werde und ob mir das Sortieren meiner Gedanken dann noch gelingt. Heute gelingt es mir sicher noch besser. Seit gestern drückt die Stimmung schon auf mein Gemüt. Beiseite schieben lässt sie sich nicht — will ich auch nicht. Es ist ein Balanceakt: zulassen, und trotzdem versuchen, den Kopf über Wasser zu halten.
Wie ich den morgigen Tag verbringen werde, weiß ich noch nicht genau. Aber ich werde sicher viel im Meer schwimmen. In demselben Meer, in das wir vor drei Jahren einen Teil deiner Asche gestreut haben. An einer Stelle, die wir alle liebten — unser Meer, in dem wir so viele Jahre gebadet haben, so viele Sommer verbracht haben. Die Bucht, zu der wir fast jeden Sommer gefahren sind. Vouliagmeni… gegenüber… eine Bucht, die es uns einfach angetan hatte. Ob es das Springen vom Felsen war, das türkisblaue Wasser, der schwere Zugang dorthin, das tiefblaue, kalte Meer — von allem etwas, denke ich.
Diesmal wird es ein bisschen weiter weg sein, aber es ist dennoch das griechische Meer. Und wenn es so viele Momente in meinem Leben gibt, in denen ich mich dir besonders nah fühle, wird es hier noch näher sein. Umarmt und umgeben von Wasser, das uns immer schon verbunden hat. Wir sind die gleichen Wasserratten.
Es wird so etwas wie eine Umarmung sein — so stelle ich mir das jedenfalls vor. Eine schöne Vorstellung.
Und dann sitze ich hier am Hafen von Paros, in Paroikia, und warte auf die Fähre. Und dann läuft in diesem Café ein Lied, das Leon liebte — Set Fire to the Rain von Adele. Keine Ahnung, wie oft er es auf dem Klavier gespielt hat.
Und dann kommt mir wieder dieser Gedanke: ob da oben nicht doch jemand sitzt, der den einen oder anderen Faden hier unten zieht, Zeichen gibt. Das will man einfach glauben — und es ist unwichtig, ob es wirklich so ist. Es gibt einem ein gutes Gefühl. Es tröstet. Es macht Sinn. Alles andere ist in diesem Fall egal. Für andere mag es ein Zufall sein — das ist in Ordnung. Für mich ist es keiner.
Leonidas
Sein Name trägt Jahrhunderte. Leonidas — der spartanische König, der nicht kämpfte, weil er unbesiegbar war, sondern weil er wusste, wofür es sich lohnt einzustehen. Für das Richtige. Für die anderen. Immer für die anderen.
Mein Leonidas hatte diesen Geist, von Anfang an. Mit vier Jahren brachte er sich selbst das Lesen bei — einfach so, weil er es wollte. Mit fünf wurde er eingeschult. Vieles fiel ihm so leicht: Klavier, Schwimmen, Tanzen, Lernen. Aber was mich bis heute am meisten bewegt, war nicht sein Talent. Es war sein Herz.
Er konnte Ungerechtigkeit nicht stehen lassen. Nicht bei Menschen, nicht bei Tieren. Er sah hin, wo andere wegschauten. Seine Freundinnen und Freunde liebten seine Gesellschaft — sie schleiften ihn in die Stadt, ins Kino, und er ließ sich schleppen, mit diesem Lächeln, das jeden Raum ein bisschen heller machte.
Wir hatten unsere eigene Welt, er und ich. Das Meer, KDramas, Koreanisch lernen. K-Pop, Korea, Seoul — wir waren zusammen dort, haben zusammen getanzt, in Clubs, auf Festivals, in einer Stadt, die wir beide liebten. Er sagte oft „Oh Mama!” — meistens hatte er recht damit — und dann lachten wir trotzdem. Regelmäßig hatten wir einen Lachflash, und ich war ihm oft genug peinlich.
Dieser Humor, so trocken und so warm zugleich, war unserer.
Er wurde 18. Viel zu wenig Zeit für so viel Seele.
Leonidas bedeutet Stärke. Und ja — er war stark. Auf seine ganz eigene, stille, leuchtende Art.





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