Von der Bank an den Tisch — und irgendwie bleibt alles beim Alten
- vor 9 Stunden
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Manchmal merkt man erst, wie schön etwas war, wenn es plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
Zehn Jahre lang war unsere Mittagspause irgendwie mehr als nur Mittagspause.
Da war eine Bank.
Und wir.
Bei gutem Wetter saßen wir draußen, haben gegessen, gequatscht, gelacht und natürlich - ganz wichtig - die neuesten Nachrichten aus der Firma ausgetauscht.
Wir haben uns irgendwann selbst die „Bänkles-Combo“ genannt.
Nicht, weil wir besonders cool waren. Sondern weil wir ziemlich zuverlässig auf dieser Bank zu finden waren.
Dann ging einer von uns in Rente.
Und obwohl man natürlich weiß, dass dieser Tag irgendwann kommt, fühlte es sich im Frühjahr trotzdem komisch an. Einer weniger auf der Bank. Einer, der plötzlich nicht mehr einfach jeden Mittag da ist.
Man verabschiedet sich, wünscht sich alles Gute für den neuen Lebensabschnitt und denkt sich:
Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt.
Und dann kommt der Alltag.
Heute Abend haben wir uns wieder getroffen.
Nicht auf der Bank.
Diesmal an einem Tisch.
Nach Feierabend, ganz entspannt, ohne Zeitdruck und ohne den nächsten Termin im Nacken.
Und irgendwie war es sofort wieder wie früher.
Der neue Klatsch und Tratsch.
Alte Geschichten, die man inzwischen wahrscheinlich schon zum zehnten Mal erzählt hat.
Neue Geschichten.
Lustiges.
Skurriles.
Dinge, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man gemeinsam Jahre in derselben Firma verbracht hat.
Und natürlich wurde auch wieder über das Leben philosophiert.
Über Menschen. Über Entscheidungen. Über das Älterwerden. Über all diese kleinen und großen Weisheiten, die man im Laufe der Jahre so sammelt — und manchmal trotzdem wieder vergisst.
Das Schöne daran?
Wir arbeiten nicht einmal alle in derselben Abteilung.
Eigentlich hätte es also überhaupt keinen Grund gegeben, warum ausgerechnet wir irgendwann zu dieser kleinen Combo geworden sind.
Aber manchmal sucht man sich solche Menschen und Verbindungen gar nicht aus.
Sie entstehen einfach.
Aus gemeinsamen Pausen.
Aus Gesprächen.
Aus unzähligen kleinen Alltagssituationen.
Aus gemeinsamem Lachen.
Aus zehn Jahren „Was gibts Neues?“
Und aus der kleinen Erkenntnis, das man sich auch dann noch etwas zu erzählen hat, wenn der gemeinsame Arbeitsplatz irgendwann gar nicht mehr derselbe ist.
Vielleicht ist das eine der schönsten Seiten des Arbeitslebens:
Dass zwischen Terminen, Projekten, Stress und ganz normalem Büro-Wahnsinn manchmal echte Verbindungen entstehen.
Menschen, die irgendwann nicht mehr nur Kollegen sind.
Menschen, mit denen man sich auch außerhalb der Arbeitszeit treffen möchte.
Einfach so.
Zum Quatschen.
Zum Lachen.
Zum Erinnern.
Heute saßen wir also nicht auf unserer Bank.
Wir saßen an einem Tisch.
Aber das war eigentlich egal.
Die Bänkles-Combo war wieder komplett.
Und ich bin mit diesem schönen Gefühl nach Hause gefahren, das man manchmal nach einem ganz unspektakulären Abend hat:
Was für ein schöner Abend
Und gleich danach:
Was für eine schöne Zeit
Vielleicht sind es am Ende gar nicht die großen Ereignisse, die uns am längsten begleiten.
Vielleicht sind es genau diese kleinen Momente.
Eine Bank.
Ein Tisch.
Ein paar Menschen.
Und ganz viel gemeinsames Leben dazwischen.





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