BTS, Paris und ein unerfüllter Wunsch
- Heike Panagoulias
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es fühlt sich noch immer surreal an, dass ich tatsächlich ein Ticket für BTS bekommen habe. Nicht für München, aber für Paris.
Wieder Paris.
Genauso wie damals GDragon. Als würde mich diese Stadt in Momenten finden, in denen etwas in mir gleichzeitig zerbricht und heilt.
Und während andere einfach glücklich sind, eine Karte ergattert zu haben, fühlt es sich für mich anders an. Es ist nicht „nur ein Konzert“. Es ist ein Stück Vergangenheit, ein Stück Zukunft, die nie gekommen ist, und ein Stück von dem, was wir uns einmal gemeinsam erträumt haben.
Meine Kinder waren die Ersten, die uns in die Welt von KPop gezogen haben. Erst spielerisch, dann wurde es ein Teil unseres Alltags: BTS, K-Dramen, koreanisches Essen, asiatische Werte und Denkweisen. Wir sind hineingewachsen. Als Familie. Und irgendwann war klar: BTS – das wollten wir zusammen erleben. Leon und ich.
Gemeinsam zu BTS.
Laut singend, lachend, ergriffen, wie wir es immer waren.
Doch dann kam Covid.
Alles wurde abgesagt.
Die Pläne, die Vorfreude – einfach alles weg.
Wir sagten uns: „Beim nächsten Mal, dann gehen wir.“
Aber das „nächste Mal“ kam nicht mehr.
Nicht für uns beide.
Wir haben uns mit anderen Erlebnissen getröstet, und ehrlich gesagt waren es wundervolle Erinnerungen.
Das K-Pop Festival in Frankfurt – 2. Reihe, Gänsehaut und Freudetränen pur.
Monsta X, Kai und all die anderen Gruppen an dem Tag.
Ateez in Berlin, voller Energie, voller Leben.
Und dann unsere Reise nach Südkorea.
Ein Traum, den wir uns erfüllt haben.
Aber BTS – das war unser gemeinsamer Punkt auf unserer Liste, der nie abgehakt werden konnte.
Und jetzt gehe ich.
Alleine.
Und doch nicht allein.

Denn ich weiß, dass er bei mir sein wird.
In jedem Lied, das wir zusammen gehört haben. In jeder Passage, in der ich weiß, dass er lachen würde. In jedem Beat, der uns früher zu Blicken gebracht hätte, die sagten: „Weißt du noch in der Karaoke-Bar in Seoul?“
Er wird bei mir sein.
Nicht sichtbar, nicht greifbar – aber spürbar in dieser unbeschreiblichen Weise, die nur die Menschen kennen, die jemanden verloren haben, der ein Teil ihres Herzens war.
Und genau da fügt sich Spring Day wie von selbst ein.
Dieses Lied begleitet mich seit Langem.
Nicht nur, weil es wunderschön ist – sondern weil es genau das beschreibt, was man nicht in Worte fassen kann:
Diese Mischung aus vermissen, hoffen, festhalten, loslassen weiterleben müssen, obwohl der eigene Winter kein Ende findet.
„I miss you.
… How Long do I have to wait?“
Spring Day ist der Song, der sagt:
Ich weiß, du kommst nicht mehr zurück.
Aber ich trage ich weiter. Und irgendwann wird mein Winter etwas wärmer.
Vielleicht ist es genau das, was Paris für mich jetzt wird. Kein Neuanfang – aber ein Moment, den ich für uns beide erlebe. Für das, was hätte sein sollen. Für das, was uns bleibt. Für das, was mich trotz allem trägt.
Ich werde dort sein, in diesem Meer aus Lightsticks, in dieser Atmosphäre, in der alle dieselben Lieder singen. Lieder, die viele belächeln, weil sie sich noch nie den Text zu Gemüte geführt haben. Tiefgründig und wertvoll.
Ich werde diese Energie fühlen.
Ich werde ihn fühlen.
Und gleichzeitig wird da ein Schmerz sein.
Die Tatsache, dass es unser gemeinsamer Traum war, den jetzt nur noch ich erleben kann.
Es ist ein bittersüßes Gefühl.
Ein „Ich gehe, weil du nicht mehr kannst“.
Ein „Ich erlebe das für uns beide.“
Ein „Ich halte fest, was wir einmal gemeinsam wollten.“
BTS war mehr als Musik.
Es war Verbindung, Trost, Hoffnung, ein Stück Familie.
Und so absurd es klingt: auch ein Stück Zuhause.
Und so gehe ich nach Paris.
Nicht, um abzuschließen.
Nicht, um zu ersetzen.
Sondern um weiterzutragen.
Um zu fühlen, was bleibt.
Um ihn mitzunehmen – in meinem Herzen, in meinen Gedanken, in jedem Lied, das wir einmal zusammen gehört haben.
Ich werde dort stehen.
Für mich.
Für ihn.
Für uns.
Und vielleicht ist das der ehrlichste Weg, wie tiefe Liebe und tiefer Verlust weiterleben können:
Indem man hingeht.
Auch wenn es weh tut.
Auch wenn es man alleine tut.
Paris wird nicht heilen.
Aber vielleicht macht es den Winter ein wenig leichter.
Und vielleicht, ganz vielleicht, wird dieser Frühling irgendwann kommen.







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