Manche Gefühle wollen einfach da sein dürfen
- Heike Panagoulias
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Ich habe heute gedankenlos durch TikTok gescrollt.
Nicht auf der Suche nach etwas Bestimmtem. Eher dieses müde Wegwischen, wenn der Kopf voll ist und man hofft, irgendwo kurz Halt zu finden.
Dann dieses Video.
Ein junger Mann, dem ich schon länger folge. Er spricht offen über seine schweren Depressionen. Nichts Dramatisches, nichts Lautes. Nur ehrlich. Und dann dieser Satz:
Manche Gefühle wollen einfach da sein dürfen.
Und etwas in mir ist stehen geblieben.
Es gibt nur wenige Momente, in denen ein einziger Satz alles trifft. Dieser war so einer. Nicht, weil er neu ist. Sondern weil er wahr ist – und weil wir ihn uns so selten erlauben.
Ich habe so viel Zeit damit verbracht, Gefühle einordnen zu wollen. Sie zu erklären. Sie zu bewerten. Sie "in den Griff" zu bekommen. Trauer, Schmerz, Leere, Wut, Erschöpfung. Immer mit dem inneren Druck, dass sie irgendwann weniger werden müssen. Dass sie nicht zu viel sein dürfen. Nicht zu lange. Nicht zu oft.
Aber was, wenn manche Gefühle gar nicht wegwollen?
Was, wenn sie nicht da sind, um gelöst, sondern um getragen zu werden?
Nicht, um verstanden zu werden – sondern um gefühlt zu werden?
Gerade in der Trauer, gerade in der Depression, gibt es diesen ständigen Kampf:
Ich sollte doch langsam...
Andere schaffen das doch auch...
Warum fühlt sich das immer noch so schwer an?
Dieser Satz nimmt all das weg.
Er erlaubt etwas, das wir uns selbst kaum zugestehen:
Nicht alles muss besser werden.
Nicht alles muss einen Sinn haben.
Nicht alles muss verschwinden.
Manche Gefühle wollen einfach da sein dürfen.
Ohne Erklärung.
Ohne Ziel.
Ohne Zeitlimit.
Ich habe gelernt zu funktionieren.
Zu lächeln.
Durchzuhalten.
Hochfunktional zu sein,
während alles in mir schreit.
Ich habe gelernt,
meine Gefühle so zu verpacken,
dass sie niemanden stören – am wenigsten mich selbst.
Und genau das macht müde.
Leer.
Krank.
Dieser Satz fühlt sich an wie eine leise Erlaubnis.
Nicht laut, nicht tröstend, nicht heilend.
Aber wahr.
Heute lasse ich sie da sein.
Die Traurigkeit.
Die Schwere.
Die Sehnsucht.
Die Erschöpfung.
Nicht weil ich aufgebe.
Sondern weil ich aufhöre, gegen mich selbst zu kämpfen.
Manche Gefühle wollen einfach da sein dürfen.
Und vielleicht reicht das für heute.









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